Grundbildung

Von Interlaken nach London

Von Interlaken ans St Thomas’ Hospital: Ein Schweizer Koch an der Nummer 1 Grossbritanniens

1. September 2026

Beruf mit Herzblut

Das ist die Geschichte von einem beeindruckenden junge Mann, Thajeevan Sivaneswaran, er absolvierte eine Ausbildung zum Küchenangestellten EBA am bzi von 2014 bis 2016. Von einer EBA-Lehre zum Finalist für den NHS Chef of the Year 2026 in London. Wir sind stolz auf Sie und auf unsere junge Berufsfachleute, die ihren Beruf mit Herzblut und Engagement in die Welt hinaustragen. DUAL ist und bleibt eben genial!

Berufsstolz in England

Ein Schweizer Fundament

Als ich 2014 die Türen des BZI Interlaken durchschritt, hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich zehn Jahre später eine Küchenbrigade in einem der renommiertesten Spitäler der Welt leiten würde. Mein Name ist Thajeevan Sivaneswaran, und ich bin stolz, Absolvent des BZI zu sein. Das ist meine Geschichte.

Ein Schweizer Fundament
Meine Laufbahn begann am BZI, wo ich von 2014 bis 2016 meine Kochausbildung absolvierte. Diese zwei Jahre gaben mir weit mehr als nur Rezepte und Techniken – sie vermittelten mir eine tief verankerte Disziplin, einen Respekt vor Präzision und das Verständnis, dass grosse Kochkunst lange beginnt, bevor die Pfanne auf der Flamme steht. Das duale Schweizer Bildungssystem lehrte mich, organisiert, belastbar und unendlich neugierig zu sein. Diese Eigenschaften haben alles geprägt, was danach kam.

Warum Grossbritannien – und warum das St Thomas’ Hospital
Kurz nach meinem Diplomabschluss zog es mich ins Vereinigte Königreich. Mich reizte die dynamische Gastroszene Londons, aber ebenso die Möglichkeit, mit Essen wirklich etwas zu bewirken. Ich suchte eine Karriere, bei der ich nicht nur zahlende Gäste bekochen konnte, sondern Menschen, die echten Trost auf dem Teller brauchten.

Dieser Wunsch führte mich ans St Thomas’ Hospital, das zum Guy’s and St Thomas’ NHS Foundation Trust gehört. St Thomas’ ist ein Eckpfeiler des NHS, des zweitgrössten staatlichen Gesundheitssystems der Welt. Es wird durchwegs als Nummer 1 Spital Grossbritanniens eingestuft und zählt zu den 50 besten Spitälern weltweit. Seine Geschichte reicht über 900 Jahre zurück – genau hier gründete Florence Nightingale ihre Krankenpflegeschule – und bis heute ist es ein Leuchtturm klinischer Exzellenz, Forschung und Mitmenschlichkeit. Hier zu arbeiten heisst, Teil von etwas viel Grösserem zu sein als einer Küche.

Meine Rolle als Chef Team Leader
Heute bin ich Chef Team Leader am St Thomas’. Der Umfang unseres Betriebs ist enorm: Meine Brigade und ich bereiten täglich Tausende Mahlzeiten für Patientinnen und Patienten, Mitarbeitende und Besuchende zu. Wir kochen für spezielle medizinische Diäten, Kinder, ältere Menschen und alles dazwischen. Die Herausforderung besteht nicht nur im Kochen, sondern im Kochen mit Sinn – Essen zuzubereiten, das nahrhaft, sicher, verlockend und wohltuend ist.

Ein unerwartetes Rampenlicht: Die «Evening Standard»
Ein besonders stolzer Moment war, als die renommierte Londoner Tageszeitung «Evening Standard» über unsere Küche berichtete und mich dabei porträtierte. Die «Evening Standard» gehört zu den einflussreichsten Zeitungen der Hauptstadt und erreicht täglich Millionen Leserinnen und Leser. Im Mittelpunkt des Artikels stand unser Nachhaltigkeitsprojekt, bei dem wir Wildgerichte – etwa Hirsch – auf die Patientenmenüs brachten, um den CO₂-Fussabdruck der Spitalverpflegung deutlich zu senken. Dass eine solch angesehene Publikation unsere Arbeit würdigte, war eine starke Bestätigung dafür, dass Spitalküche innovativ, zukunftsgerichtet und der Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit würdig sein kann.

NHS Chef of the Year: Exzellenz auf nationaler Bühne
Ich habe das Glück, unter einer Führungspersönlichkeit zu arbeiten, die genau weiss, was es braucht, um auf nationaler Ebene zu gewinnen. Mein direkter Vorgesetzter, Küchenchef Nedko Rusev, gewann 2025 den Titel «NHS Chef of the Year», wurde 2024 und 2023 als «Most Creative Chef of the Year» ausgezeichnet und stand bereits 2022 im Finale. Dieser Massstab an unablässiger Exzellenz ist die Luft, die wir in dieser Küche atmen.

Mit diesem Vorbild an meiner Seite wurde ich 2024 und erneut 2025 für den Wettbewerb «NHS Chef of the Year» ausgewählt. Dieser nationale Anlass bringt die besten kulinarischen Talente des gesamten Gesundheitsdienstes zusammen. Es geht nicht um Luxuszutaten oder kunstvolles Anrichten, sondern um den Beweis, dass Spitalessen kreativ, nachhaltig und absolut köstlich sein kann – und das unter strikter Einhaltung strenger Vorgaben zu Nährwerten und Budget.

Die Vorbereitung auf den Wettbewerb ist intensiv. Ich verbringe Monate damit, Gerichte zu verfeinern, saisonale Produkte zu testen, Aromen auszubalancieren und sicherzustellen, dass jeder Teller eine Geschichte erzählt. Dabei greife ich stark auf die klassischen Grundlagen zurück, die ich am BZI gelernt habe, und verbinde sie mit modernen britischen Einflüssen und den vielfältigen Küchen Londons. Der Titel «NHS Chef of the Year» wäre eine grosse persönliche Ehre, aber noch wichtiger: Er würde die entscheidende Rolle der Spitalküchen ins Rampenlicht rücken und andere Köchinnen und Köche ermutigen, die Grenzen des Möglichen in der Gesundheitsgastronomie zu verschieben.

Der Schweizer Vorteil – weltweit anerkannt
Manchmal werde ich gefragt, wie ein Schweizer Abschluss den Sprung nach England ermöglicht. Meine Antwort ist einfach: Die Schweizer Kochausbildung ist ein Qualitätssiegel, das überallhin mitreist. Die Kombination aus Handwerkskunst, Zuverlässigkeit und fundiertem theoretischem Wissen geniesst international hohes Ansehen. In Grossbritannien wissen Arbeitgeber, dass eine in der Schweiz ausgebildete Köchin oder ein Koch die Bedeutung von Prozess, Sauberkeit und gleichbleibender Beständigkeit versteht. Dieses Renommee hilft wirklich, sich abzuheben.

Leben in Grossbritannien
Neben der Küche habe ich mir hier ein erfülltes Privatleben aufgebaut. London ist eine Stadt der unendlichen Entdeckungen, und ich habe ihren multikulturellen Rhythmus, die grünen Parks und die unverhohlene Leidenschaft für Essen aus jedem Winkel der Welt lieben gelernt. Es ist ein besonderes Gefühl der Zugehörigkeit, wenn man sich in einem Land zuhause fühlt, das ursprünglich nicht das eigene war.

Blick nach vorne
Ich bin noch lange nicht am Ziel. Ich möchte als Koch und als Führungsperson weiter wachsen. Eines Tages hoffe ich, in eine Rolle als Executive Chef aufzusteigen und die Innovation im Gesundheitskulinarium strategisch voranzutreiben. Auch junge Köchinnen und Köche zu fördern, vor allem jene, die wie ich aus der Berufsbildung kommen, liegt mir am Herzen. Und ja – ich werde weiter an Wettbewerben teilnehmen, denn der Wettkampf schärft den Geist und erinnert einen daran, warum man überhaupt mit dem Kochen angefangen hat.

Eine persönliche Botschaft an zukünftige BZI-Lernende
An alle jungen KüAN, die heute ihre Reise am BZI beginnen: Macht euch bewusst, wie wertvoll diese Zeit ist. Die Ausbildung mag anspruchsvoll sein, aber sie legt ein Fundament, auf das ihr euer ganzes Leben lang bauen werdet. Seid pünktlich, haltet euren Arbeitsplatz blitzblank, stellt Fragen und denkt nie, ihr wärt zu gut, um einen Sack Kartoffeln zu schälen. Das Renommee der Schweizer Kochausbildung ist echt – es wird euch Türen an Orten öffnen, die ihr euch nie hättet träumen lassen. Ich bin der lebende Beweis dafür. Also geht mit Stolz durch diese Türen, bleibt demütig und lasst eure Disziplin zu eurer Superkraft werden. Vielleicht leitet ihr eines Tages selbst eine Küche in einem weltbekannten Spital, so wie ich, und blickt mit einem Lächeln zurück nach Interlaken.

Danke, BZI, für das Rüstzeug, das ihr mir mitgegeben habt. Es ist mir eine Ehre, meine Geschichte zu teilen, und ich hoffe, sie inspiriert die nächste Generation, gross zu träumen und mit Herz zu kochen.

Thajeevan Sivaneswaran
Chef Team Leader, St Thomas’ Hospital, London



 

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