KV Lernende on tour
2. Dezember 2025
Im Dialog mit einer Ständerätin
Die KV-Lernenden vom bzi hatten die Gelegenheit, einen spannenden Tag ausserhalb des Klassenzimmers zu erleben.
Saftey first, auch in der Politik
Die Reise startete früh morgens für die einen bereits in Meiringen und führte via Interlaken nach Bern, wo sich alle Lernenden der zwei 2. Lehrjahrklassen trafen. In der Hauptstadt angekommen, ging es zu Fuss direkt zum Bundeshaus. Bevor das Parlamentsgebäude betreten werden konnte, mussten alle Lernenden eine Sicherheitskontrolle passieren, die genauso streng war, wie die am Flughafen. Taschen wurden durch einen Scanner geschoben und die Lernende mussten durch einen Metalldetektor treten. Für mich schuf dies bereits ein Gefühl von Bedeutung, schliesslich betraten wir einer der wichtigsten Orte der Schweizer Politik.
Im Inneren des Bundeshauses wurden die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt. Während die eine Gruppe auf der Tribüne des Nationalrats Platz nahm, besuchte die andere den Ständerat. Beide Gruppen konnten jeweils einen Teil einer laufenden Sitzung, resp. Session, miterleben. Dies war eine seltene Gelegenheit, die Politik der Schweiz live und aus nächster Nähe zu beobachten. Die Diskussionen, das formelle Verhalten und die Atmosphäre im Saal vermittelten einen bemerkenswerten Eindruck. Die aktuellen Motionen und Themen der beiden Räte waren jedoch wenig spannend. Das Gesprochene teilweise etwas langfädig und monoton, was die jungen Leute eher zum Einschlafen als zum aktiven Zuhören verleitete. Und so waren wir froh, als wir den Saal wieder verlassen konnte.
Im Dialog mit einer Ständerätin
Deutlich lebendiger wurde es danach bei der Fragerunde mit Ständerätin Flavia Wasserfallen, die in einem Kongressraum stattfand. Die Lernenden hatten im Vorfeld gut vorbereitete Fragen mitgebracht, die von persönlichen Ansichten über politische Erfahrungen bis hin zu kritischen Themen reichten. Die Offenheit und Nahbarkeit von Frau Wasserfallen beeindruckte, und es entstand ein echter Austausch zwischen der SP-Politikerin und den Lernenden.
Lehrreich verliess man den Kongressraum und setzte den Besuch im Bundeshaus mit einer geführten Tour fort. Die hohen Decken, das historische Ambiente und die herumschwirrenden Politiker/-innen waren ausserordentlich prägend. Während der Führung wurden spannende Informationen zur Entstehung des Bundesstaates, zur Geschichte des Gebäudes und zur Rolle der Kantone vermittelt. Die Dame, die uns gekonnt durch die Hallen führte, erzählte beispielsweise, dass das Bundeshaus früher nur aus den beiden kleineren Gebäuden daneben bestand. An der Stelle, an der sich heute das Hauptgebäude befindet, gab es einst ein Restaurant mit einer grossen Terrasse. Als schnell klar wurde, dass für die Politik mehr Platz benötigt wird, wurde das Hauptgebäude in der Mitte errichtet welches wir heute mit den grünen Dächern und der schönen Fassade als unser Bundeshaus kennen.
«Bonjour les bilinguese»
So verliessen wir das Bundeshaus am Mittag schliesslich hungrig und mit einem vollen Kopf von all den Eindrücken. Viel Zeit, um alles wirken zu lassen blieb allerdings nicht. Nach einer wohlverdienten kurzen Mittagspause, ob im Park mit Picknick oder bei einem schnellen Take-away, ging es bereits weiter. Mit dem Zug fuhren wir Richtung Biel, wo der zweite Teil des Programms auf uns wartete. Auf dem Robert-Walser-Platz wurden wir von der Bieler KV-Klasse der BFB Bildung Formation Biel-Bienne herzlich empfangen. In gemischten Gruppen erkundeten die Lernenden Biel. Ob Altstadt, See oder Café – im Mittelpunkt stand das gemeinsame Erleben und Sprechen in der Zweitsprache. Nach der Erkundung trafen sich die Gruppen wieder zur Vorstellungsrunde. Jede Gruppe präsentierte sich gegenseitig auf Französisch oder Deutsch. Trotz gelegentlicher Unsicherheiten spürte man den Einsatz.
Ideale QV Vorbereitung
Besonders praxisnah wurde es bei den anschliessenden Rollenspielen. In denselben Gruppen wurden typische QV-Situationen simuliert. Beispielsweise Kundengespräche, Reklamationen oder Telefonszenen. Diese wurden konsequent zweisprachig durchgeführt. Die angehenden kaufmännischen Fachkräfte konnten dabei sprachliche und fachliche Routine gewinnen und hatten so eine ideale Vorbereitung auf kommende Prüfungen in der ersten Fremdsprache.
Gegen 16.30 Uhr wurde der Nachmittag gemeinsam abgeschlossen. Die Köpfe waren voll, die Eindrücke frisch und das eigentliche Ziel klar erreicht. Austausch, Sprachpraxis und eine grosse Portion Selbstsicherheit für das QV. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck machten sich die Lernende wieder auf den Heimweg.
Ob sich nun jemand nach diesem erlebnisreichen Tag eine Politkarriere vorstellen kann oder ob die Sprache «Französisch» das neue Lieblingsfach wird, bleibt wohl für heute unbeantwortet, feststeht aber, dass ein Tag ausserhalb des klassischen Schulzimmers sichtlich Spass gemacht hat.
Marlon Stuck, Lernender Mediamatiker EFZ im bzi